Heike Schlicht

Meine Heimat

Davon gibt es eigentlich Zwei

Alte Heimat

Geboren wurde ich in Zwickau und wuchs in Wilkau-Hasslau auf. Dort verbrachte ich meine Kindheit und ging in die Schule. Wir wohnten als Familie im selben Haus wo auch schon mein Papa mit seiner Mutter und seinem Bruder aufwuchs. Ich kam mit 6 Jahren in die Pestalozzi Oberschule. Ich war in einer B-Klasse und wir hielten an dem Ruf der schlechten B-Klassen fest, letztendlich war es lustig…nur für uns aber nicht für die Lehrkräfte. Mit der zehnten Klasse beendigte ich mein dortiges Dasein nach etlichen Gesprächen mit der Schulleitung…ich sollte studieren mit meinen Noten…es gab aber für den damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt eine ganze Stelle für Architekten im Hochbau, denn das wollte ich werden. Da wir nicht parteilich unterwegs waren, war dieser Wunsch schier unmöglich und so fasste ich den Entschluss, eine Lehre als Bauzeichner zu beginnen. Das war ein richtig Guter, denn bis zum heutigen Tage gehöre ich wahrscheinlich zu den wenigen Menschen die ihren Beruf lieben und gerne auf die Arbeit gehen.
wilkau

 

In dieser Zeit der Ausbildung von 1985-1987 fasste sich in unserer Familie der Entschluss das Land DDR zu verlassen und zu Mutter und Bruder meines Vaters auszureisen. Genau am nächsten Tag nachdem ich meine Ausbildungsurkunde in den Händen hielt und Bauzeichner war, stellten wir im Ministerium für innere Angelegenheiten einen Ausreiseantrag. Dieser wurde nach zwei Jahren im Zuge der Familienzusammenführung innerhalb der üblichen 24Stunden genehmigt. Zurück blieben meine Oma mütterlicher Seite, die nicht ihre Heimat verlassen wollte und mein damaliger Freund. Am 10.03.1989 brachte uns ein Zug der DB nach Bad Kissingen, einer ähnlichen Stadt wie auch Wilkau-Hasslau, hügelig, umwaldet und mit einem Fluss ausgestattet und ein Mittelgebirge in der Nähe.

Neue Heimat

Nun lebe ich also seit 20 Jahren in Bad Kissingen und nenne es meine zweite Heimat.
Ich würde die Franken und insbesondere die Kissinger als ein sehr schwieriges Völkchen bezeichnen. Man kommt wahnsinnig schwer in Kontakt mit ihnen, hat man es aber einmal geschafft, gehört man dazu. Das tue ich, seitdem ich meinen Mann kenne. Er ist Kissinger und es wurde gleich um vieles schöner. Seit dem 02.05.1989 arbeite ich in meinem Beruf des Hochbauzeichners, unterbrochen nur durch die Elternzeiten der beiden Jungs.

bad_kissingen

Am 13.September 2005 gab es mit meinem Mann wohl einen der schwierigsten Schritte im Leben: wir kauften ein Grundstück. Die Planung durfte ich übernehmen und so entstand ganz langsam im Kopf, dann auf Papier unser Traumhaus. .
Glücklicher Weise ist bis heute nur das Weglassen eines Schalters ein Ärgernis für mich. Ansonsten ist es genau das was wir wollten, mit der Ausstattung die wir wollten und gehören tut es eh der Bank.
'Der Mensch braucht ein Plätzchen und ist es noch so klein, von dem er sagen kann: ,,Dies hier ist mein!'' Hier leb' ich, hier lieb' ich, hier ruh' ich mich aus. Hier ist meine Heimat, hier bin ich zuhaus!''

Heike Schlicht
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